Antisemitismus: Erfahrungen, Un_Sichtbarkeiten und Besprechbarkeiten in (queer)feministischen Kontexten

In den 1980ern und 1990ern gab es in der westdeutschen feministischen Szene einige Versuche der Allianzen zwischen Schwarzen, jüdischen und of Color Feministinnen, um Betroffenheiten von Rassismus und Antisemitismus in einer deutschen postnazistischen Gesellschaft solidarisch und gemeinsam zu bearbeiten – diese Allianzen sind unserem Eindruck nach verloren gegangen.

Linksradikale feministische Jüd_innen und damit auch ihre Antisemitismuserfahrungen sind kaum präsent in linken queer-feministischen Debatten – es sei denn, sie äußern sich antizionistisch in Bezug auf Israel. Unsere These ist, dass es in den letzten 20 Jahren zu einem diskursiven Whitening von europäischen Jüd_innen kam, sodass sie als Diskriminierte in den Debatten um Herrschaftsverhältnisse kaum mehr auftauchen oder Antisemitismus als ein Teil von Rassismus gefasst und somit unsichtbar wird. Diese Unsichtbarkeit der Identitäten und Erfahrungen führt unserer Wahrnehmung nach in der Folge zunehmend dazu, dass linke queer-feministische Szenen i.d.R. als nicht-jüdisch gedacht werden und dass Erfahrungen von Antisemitismus bagatellisiert und in Frage gestellt werden – wenn sie denn überhaupt jenseits geschützter privater Räume formuliert werden; oder wenn überhaupt die Sprache und die Wörter zur Verfügung stehen, um das Erlebte und Gefühlte als Antisemitismus zu begreifen und zu beschreiben.

In unserem Workshop möchten wir den Fragen nachgehen, wie die Allianzen zwischen Schwarzen, jüdischen und of Color Feministinnen aussahen, sowie wann und warum es Brüche gab. Welche Erfahrungen machen Jüd_innen in linken queer-feministischen Szenen und wie können Erfahrungen von Antisemitismus wieder hör- und dadurch wahrnehmbarer gemacht werden?